Dienstag, 28. April 2015

Ein Plädoyer für niedliche Kinderkleidung


Viele von Euch sind ebenso wie ich Mütter oder Väter. Wir sitzen also quasi im gleichen Boot und haben mal mehr mal weniger Probleme unsere Kinder groß zu ziehen. Neulich auf dem Stoffmarkt habe ich ein Gespräch zwischen zwei stoffverrückten Mütter mit bekommen, beide mit je einem Kind von vielleicht knapp zwei Jahren. Sie standen vor einem Stoffstand mit den hinreißensten Stoffen voller niedlicher kleiner Tiere. Ich persönlich wollte sie für meine vier Jahre alte Tochter am liebsten alle kaufen. Die beiden waren sich aber einig, dass diese Stoffe eindeutig zu "kindisch" für ihre Kids waren. Ich fand das etwas befremdlich, denn für meine Tochter fand ich die Stoffe hinreißend.

Und dann fällt mir vor ein paar Tagen der Text eines renomierten Familientherapeutens in die Hände, der davon sprich, das die heutigen Anforderungen an Kindern zu hoch sind. Und das frage ich mich nun auch, wo Kinder mit nicht mal zwei Jahren keine niedlichen Tiere auf ihrer Kleidung tragen dürfen.

Also packe ich das Töchterchen ein und fahre mit ihr zum Stoff-Dealer. Und dann darf sie sich aussuchen, was sie möchte. Sie darf entscheiden, aus welchrm Stoff ihr nächstes Kleidungsstück entstehen soll. Bis jetzt war ich es vor allem, die die Stoffe aussuchte. Ihr hat immer alles gefallen, also kein Grund zur Sorge, aber was, wenn ich so komplett daneben liege. Außerdem wollte ich wissen, ob meine Lütte die niedlichen Tierchen und Figürchen links liegen lässt und beherzt zu Stoffen greift, die"erwachsener" wirken. Im Kindergarten ist sie sowohl mit älteren als auch mit jüngeren Kindern zusammen, ist sich also zumindest unbewußt über den "Dress-Code" klar.

Und was tut sie? Sie greift nach Tierchen, nach den niedlichen, nach den süßen, nach den Tierchen, die die beiden Mütter auf dem Stoffmarkt für ihre Kleinen aussortiert haben. So ganz sind sie auch nicht nach meinem Geschmack. Und dann frag' ich das Töchterchen, findest Du nicht, die sehen zu sehr nach "Baby" aus? Und sie sagt bestimmend "NEIN! Die sind toll!"

Was ich an Kindern so faszinierend finde, ist die Tatsache, dass sie sich selbst so nah sind. Sie wissen im Grunde ganz genau, was sie wollen und was nicht. Und sie machen sich keine Gedanken darüber, ob etwas cool ist, ob etwas tragbar ist. Das einzige Kriterium, was ihnen reicht ist, ob sie es schön finden oder nicht. Den einen gefallen niedliche kleine Tierchen, dem anderen Superhelden. Was ihnen gefällt, tragen sie mit Stolz. Warum also sieht man in Katalogen von einschlägigen Modeherstellern zum Beispiel nur Jungsklamotten für Kleinkinder, die so aussehen als könnten sie auch 20-Jährige anziehen? Sind die Anforderungen an unsere Kindergartenkinder nicht wirklich etwas zu hoch und fangen diese Anforderungen nicht schon bei den Klamotten an?

Ich habe jedenfalls beschlossen, die Kätzchen, die sich das Töchterchen ausgesucht zu vernähen, in ein Shirt, weil es das Töchterchen so will. Und sollte sie wirklich im Kindergarten von anderen Kinder ausgelacht werden, werde ich ihr vermitteln, dass so wie sie ist und das was ihr gefällt gut ist. Ich werde ihr sagen, dass nur wichtig ist, dass ihr es gefällt und nicht was die anderen sagen. Und dann darf sie sich entscheiden, ob sie es nochmal anziehen mag oder nicht. 

In diesem Sinne, keep on Sewing,
Eure Nadine
 
Bei dem renomierten Familientherapeuten handelt es sich übrigens um Jesper Juul.
Interviews findet ihr hier und hier
Einen Bericht aus einer seiner Seminare lest ihr hier.

1 Kommentar:

  1. Hallo
    das finde ich schön ... jedes Kind hat schon seinen eigenen Geschmack, den man - bis zu gewissen Grenzen - auch unterstützen sollte. Und grau ist die Welt schon genug ... da sollte es im Kinderkleiderschrank wenigstens kunterbunt sein :)
    Liebe Grüße
    Susanne B

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